Arno Geiger liest an der Bergheidengasse aus „Der alte König in seinem Exil“

 

Der Schriftsteller schreibt nicht nur offen über dieses sehr intime Thema, er spricht auch ebenso darüber. Das erfassen die Schüler/innen instinktiv und sind von der Authentizität des Autors beeindruckt. So sehr, dass sie für die Zeit der Lesung und der anschließenden Fragerunde auf ihre Handys vergessen...

 

Das Nicht-wahrhaben-Wollen durch die Kinder der Betroffenen, das Ignorieren der ersten und auch deutlicher Anzeichen dieser Krankheit, die Unerreichbarkeit des Erkrankten, das Verweigern des Eingeständnisses von Fassungslosigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Wut, Angst und - das Verschweigen...

 

All das und noch viel mehr erzählt der Autor, beschreibt Details, die oft gerade durch lakonisches Aufzählen und Wiederholen so sehr schmerzen, als sei man als Leser/in selbst das betroffene Kind.

 

Eine Schülerin möchte wissen, ob er dieser Krankheit dankbar sei, dass sie die Beziehung zum Vater verändert habe. Darauf reagiert Geiger mit dem sehr deftigen Ausdruck, die Demenz sei eine „Scheißkrankheit“. Die Herausforderung bestehe darin, das Positive zu sehen, wenn nichts mehr zu ändern ist. Demenz sei immer noch ein Tabu, die Krankheit eine Schande, sodass es ihn gedrängt habe, gegen dieses Tabu anzuschreiben. Demenz sei so weit verbreitet, dass das Thema in die Mitte der Gesellschaft gehöre. Er lebe nicht in der Angst, selbst an Demenz zu erkranken, aber er wisse nun, dass er nichts aufschieben darf.

Wie man an Demenz erkrankten Menschen begegnen solle, fragt eine andere Schülerin den Autor. Das Gefühl der „Bedrohtheit“ durch eine unbegreifliche Macht und die Irritation sei nur zu beheben durch Freundlichkeit, Zuneigung und dadurch, dass es einem selbst gutgeht. Der Autor hält nichts von Aufopferung, denn der Kranke spüre das bei der Bezugsperson.

Arno Geiger freute sich, wieder in der Bergheidengasse gewesen zu sein und über die Bergheidentorte. Für die Reifeprüfung wünschte er allen Schülerinnen und Schülern viel Erfolg.

Die Bergheidengasse dankt Arno Geiger für einen berührenden Nachmittag.

Danke unserem Bibliotheksteam für die Organisation.

Renate Sponer